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Ein neues Muttermal? Wann muss ich zum Arzt?

von: Dr. med. Stefan Dommann, Feldmeilen


Alle Jahre wieder. Es wird nach einem langen Winter wieder wärmer, die Ferien am Meer locken und Frau wie Mann probieren das Badekleid welches möglicherweise einem neuen weichen muss, und man bemerkt: da habe ich einen Fleck, den hatte ich so noch nicht gesehen…Was ist zu tun? Wann muss ich zum Arzt?


Es gibt zwei Kriterien, die den Gang zum Arzt notwendig erscheinen lassen:


Ein sehr verlässliches Zeichen ist das Zeichen des "hässlichen Entleins" (ugly duckling), wo man auf das Muttermal achtet, welches "anders" aussieht als die restlichen Muttermale. Das heisst konkret, dass bei vielen grossen Muttermalen und nur einem kleinen, welches anders aussieht als die grossen, ist dieses kleine Muttermal  verdächtig. Besteht aber nur ein grosses  Muttermal inmitten vieler kleiner Muttermale, so ist das grosse Muttermal das verdächtige. Ist dann dasjenige Muttermal allenfalls sogar noch neu aufgetreten, oder hat es sich in der letzten Zeit verändert oder juckt es gar, dann ist der Gang zum Arzt notwendig.


Das zweite Kriterium ist die sogenannte "ABCD-Regel", welche die verschiedenen Charakteristika eines Muttermals beachtet:

 

  • A = Asymmetrische, pigmentierte Läsionen, aber auch rötlich und unpigmentiert möglich
  • B = Begrenzung unregelmässig
  • C = Colour: Mehrfarbigkeit
  • D = DYNAMIK: Wachstum, Verkleinerung oder Strukturveränderungen über Wochen oder wenige Monate!


Das wichtigste Kriterium für ein möglicherweise gefährliches Muttermal  in der ABCD Regel ist die Veränderung (Punkt D)! Eine Veränderung  kann sehr rasch (innert weniger Wochen) geschehen, was häufig die Patienten glücklicherweise veranlassen, zum Arzt zu gehen.


Das zunehmende Bewusstsein der Bevölkerung betreffend Muttermalen, die sich verändern, hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Dermatologen viel mehr Melanome (schwarzer Hautkrebs) sehen wie noch vor ca. 10 Jahren.  Erfreulicherweise jedoch häufiger in früheren Stadien eines Melanoms, was sich in einer günstigeren Prognose betreffend der Ueberlebenschance widerspiegelt.


Die Frage drängt sich deshalb bei vielen Leuten auf: Haben wir eine aggressivere Sonne, welche für die Zunahme der Melanome verantwortlich ist? Die Antwort der Klimaforscher ist: nein! Aber ein anderer Grund ist wahrscheinlich massgebend: Wir alle reisen viel mehr wie zur Zeit unserer Eltern oder Grosseltern. Fliegen ist günstig geworden und Ferien im Februar, zum Beispiel in der Türkei oder Ferien im November an einem der vielen sonnigen Strände sind oft günstiger als zuhause in der Schweiz. So sind auch Familien mit Kindern häufiger an der Sonne. Bei vielen stehen Strandferien mehrmals pro Jahr auf dem Programm. Die Kehrseite ist aber, dass vor allem Kinder (bis zum 20 Lebensjahr) besonders anfällig auf Sonnenbrände sind. Man nimmt an, dass bis zu 80% aller relevanten Sonnenschäden (die später zu einem Hautkrebs führen) in den ersten 20 Lebensjahren entstehen. 


Zudem hat jeder von uns ein persönliches "Sonnenkonto". Ist es aufgebrauch, kann Hautkrebs entstehen. Wann dies der Fall ist, ist nicht genau vorhersehbar. Aber die rothaarigen und blonden Hauttypen sind im Allgemeinen mehr gefährdet und müssen deshalb auch den Sonnenkonsum einschränken. Dass ein Besuch im Solarium gesundheitsschädigend ist, ist hinlänglich bekannt. In der EU sind Solarienbesuche bis 14 Jahre nicht mehr gestattet! Bis ein solches Gesetz europaweit umgesetzt werden kann, muss vieles Negatives passiert sein! Solariumbesuche wurden von der gesundheitlichen Gefährdung dem Rauchen oder einer Asbestexposition gleichgestellt!!


Besonders achtsam muss man bei Veränderungen von Hautflecken sein, wenn man zu einer oder mehreren folgenden Risikogruppen zählt:

 

  • Genetik, positive Familienanamnese für Melanom oder dysplastische Nävi (stark veränderte Muttermale).
  • UV Strahlen, vor allem wiederholt hohe Belastungen, Sonnenbrände während der Kindheit!
  • Anzahl Muttermale (Nävi) mehr als 50 und atypische Nävi, mehr als 5 sowie Grösse der Nävi (grösser als 5mm)
  • Positive persönliche Anamnese: (man hatte bereits selber einen Hautkrebs.)
  • Heller Hauttyp (Typ I + II): Hellblonde und rothaarige Hauttypen, die bei Sonnenexposition immer oder meistens Sonnenbrand bekommen, ohne braun zu werden.
  • Aktinische Keratosen: rote raue Flecken vor allem im Gesicht, welche durch zu viel Sonne entstanden sind. (Frühstadium des weissen Hautkrebses)
  • Immunsuppression. Menschen die mit einem Spenderorgan leben oder durch verschiedene Krankheiten (z.B. viral) immunsupprimiert sind.


Leider ist die Beurteilung der einzelnen Muttermale gerade bei rothaarigen und blonden Personen erschwert! Die sehr sonnenempfindlichen Hauttypen zeigen gelegentlich eher unauffällige Muttermale, welche aber bereits Melanomen entsprechen können. Hier greift die Früherfassung bösartiger Muttermale mittels Body-scan. Es handelt sich um ein fotographisches Verfahren, welches mit einem Computersystem gekoppelt ist, wo Muttermale, die sich verändern oder neu aufgetreten sind, angezeigt werden. So werden bei uns in Feldmeilen Patientengruppen mit erhöhter Gefährdung (Patienten mit Melanomen, Patienten mit vielen Muttermalen oder dysplastischen Nävi und sehr helle und sonnenempfindliche Patienten) mit dem neuartigen System erfasst. Je nach Gefährdung wird in 3, 6 oder 12 Monaten erneut der Patient fotografiert und der Computer gibt an, welche Muttermale sich verändert haben. Der Hautarzt entscheidet dann, welche allenfalls entfernt werden müssen. Diese Vorgehensweise ist neu aus Australien auch in Europa angekommen und wird zunehmend in der Schweiz Standard werden für Risikopatienten.


Erst das in Lokalanästhesie operativ entfernte Muttermal, welches dem Pathologen zur Diagnosestellung  eingeschickt wird, zeigt dann letztlich die endgültige genaue Diagnose. Die endgültige Diagnose über Gut- oder Bösartigkeit eines Muttermals kann nur mittels mikroskopischer Untersuchung durch den Pathologen erfolgen.

 

Body-scan:

Der Computer rechnet die neuen oder veränderten Mutermale heraus und zeigt diese an: In diesem Falle waren nach einem Jahr 2 Melanome aus bestehenden Mutermalen enstanden. 

 

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Mole-Analyzer: 

Das System zeigt ein Muttermal (melanozytärer Nävus) am rechten Vorderarm. Gleiches Muttermal ein Jahr später mittlerweilen bereits ein Frühstadium des schwarzen Hautkrebses. (Melanoma in situ).

 

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Im Zusammenhang mit der Sonnenbestrahlung und dem notwendigen Schutz mittels Sonnencreme wurde ich immer häufiger gefragt: "Ja ,aber wir brauchen doch die Sonne wegen den Knochen und dem Vitamin D3?" Das ist natürlich richtig, aber für die Bildung des Vitamin D3 zur Verminderung der Osteoporose und für unsere gute Laune brauchen wir keine pralle Sonne ungeschützt auf unserer Haut von 11 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags. Die Sonne davor und danach genügt (es reicht 10 Minuten Sonne an den Vorderarmen für die ausreichende tägliche Vitamin D3 Dosis). Beim nächsten Strandurlaub achten Sie doch genau auf die Einheimischen! Die meist dunkler pigmentierten Menschen werden Sie kaum (ausser als Animator in einer Strandbar) über Mittag an der prallen Sonne sehen. Siesta ist das Zauberwort. In diesem Sinne wünsche ich nicht nur gute mediterrane Küche beim nächsten Urlaub sondern auch mehr mediterranes Lebensgefühl!

 

 

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