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Habe ich Rheuma? 

von: Dr. med. Werner Fuchs, Meilen

 

"Habe ich Rheuma, Herr Doktor?" oder "Das ist aber kein Rheuma?" sind häufige Fragen meiner Patienten. Wird die erste Frage bejaht, so ist der Patient mit dieser Antwort meist befriedigt und bereit, schicksalshaft entsprechende Beschwerden zu erdulden. Er hat somit genaue Vorstellungen, was Rheuma bedeutet. Zudem zeigt die zweite Frage, dass er zu wissen glaubt, was eben Rheuma nicht ist.


Was ist Rheuma?

Mit Rheuma verbindet der Patient meist wiederkehrende, schlecht einzuordnende, resp. undefinierbare Schmerzen. Sobald der Schmerz einen Namen hat wie Arthrose oder Diskushernie stellt sich für ihn die Frage gar nicht. Werden rheumatische Krankheiten von Gesetzes wegen privilegiert behandelt, so bestimmt das Rheumagesetz vom 22.06.1962, welche rheumatischen Krankheiten es zu bekämpfen gilt: a. Chronische Polyarthritis, b. Spondylosis ankylosans, c. Arthrosis und Polyarthrosis, d. Spondylosis und Spondylarthrosis, e. Periarthritis und Periarthrosis

 

sowie f. Tendoperiostitis und Tendinosis. Rheuma hat somit viele Namen. Dabei handelt es sich ausschliesslich um klar definierbare Krankheitsbilder des Bewegungsapparates. Diese haben wegen den grossen gesundheitlichen und den sozialen Kosten nicht nur eine grosse gesellschaftliche Bedeutung, sondern sind wegen starken Schmerzen und Behinderungen viel mehr Ursache von grossem persönlichen Leid. Unter diesem Aspekt bekommen die eingangs gestellten Fragen auch eine ganz andere Bedeutung.


Eine rasche und korrekte Diagnose kann Leid, Invalidität und Kosten verhindern. Eine rasche und korrekte Diagnose verhindert unnütze Abklärungen und Eingriffe. Neue Erkenntnisse erlauben auch risikogerechte und Evidenz basierte Behandlungen. Diesen zum Durchbruch zu verhelfen, ist auch das Ziel der Schweizerischen Rheumaliga, welche sich nicht nur an die Betroffenen richtet, sondern auch die ärztlichen Kenntnisse der Grundversorger fördert mit jährlichen Fortbildungen zu Themen wie Arthrose, Arthritis und Osteoporose, aber auch akute und chronische Rückenschmerzen sowie Weichteilrheuma, wenn alles weh tut.


Wie äussert sich Rheuma?

Rheumatische Krankheiten gehen meist mit Schmerzen einher. Auf Grund der Schmerzlokalisation können wir Gelenk-, Rücken- oder Muskelrheuma, den sog. Weichteilrheumatismus unterscheiden. Die Schmerzcharakteristik und zusätzliche Zeichen wie Bewegungsstörungen und Schwellungen geben Hinweise auf die Art und die Ursache der Schmerzen.

 

     
 

Wirbelsäulenrheuma
Unspezifische, überlastungsbedingte Rückenschmerzen
Bandscheibenabnutzungen (Diskushernie, Spinalstenose)
Osteoporose (Kalkmangel)
Morbus Bechterew (Entzündung)

 

Muskelrheuma
Sehnen-/Muskelschmerzen (Überlastung, Abnutzungen)
Fibromyalgie (generalisierte Schmerzen)
Polymyalgia rheumatica (Entzündung)


Gelenkrheuma
Arthrose (Abnutzung)
Polyarthritis (Entzündung)
Gicht/Pseudogicht (Stoffwechsel)  

 
     

Der kurze Bewegungsschmerz beim Anlaufen und wieder bei Belastung, ist verdächtig auf Abnützungserscheinungen wie bei einer Knie- oder Hüftarthrose. Konstante und Schmerzen in Ruhe sind typisch bei entzündlichen Erkrankungen. Der Ruheschmerz eines Gelenkes findet sich
  jedoch nicht nur bei einer Arthritis oder einer Gicht, sondern auch einer Infektion. Ein entzündlicher Rückenschmerz weckt den Patienten meist in den frühen Morgenstunden und lässt erst nach Stunden unter Bewegung nach. Geht eine Gelenkentzündung praktisch immer mit einer Gelenkschwellung einher, so sieht man bei einer Wirbelsäulenentzündung wie beim Morbus Bechterew
äusserlich nichts. Ebenfalls nichts sieht man beim Muskelrheumatismus. Lokalisierte Formen haben typische schmerzauslösende Mechanismen wie beim Tennisellbogen oder einer schmerzhaften Sehne im Bereiche der Schulter. Schwieriger ist es, wenn die Schmerzen generalisiert vorkommen und die Patienten nicht mehr schlafen können. Anhaltende Schmerzen am Morgen, vor allem wenn der Patient kaum aufstehen kann und seine Arme über Stunden nicht mehr in die Höhe bringt, sind wiederum verdächtig für eine Entzündung.


Rheuma und seine Ursachen

Die Ursachen rheumatischer Erkrankungen sind vielfältig. Krankheitsmechanismen wie Abnützungen, Entzündungen, Verletzungsfolgen, Stoffwechselerkrankungen, Infekte und Tumoren können alle den Bewegungsapparat betreffen und zu rheumatischen Beschwerden führen. Diese zeigen meist typische Muster, die dann zur korrekten Diagnose führen. Eher selten sind aufwändigere Abklärungen mit Labor, MR oder weiteren Untersuchungen indiziert. Nötig sind diese vor allem, wenn eine Grundkrankheit wie ein Tumor ausgeschlossen werden muss und/oder eine rheumatische Erkrankung mit möglichem schweren Verlauf vermutet wird. Auch geht es häufig darum, Spätkomplikationen zu verhindern. So spart auch eine unkomplizierte, direkte Abklärung eines geschwollenen Gelenkes Kosten und verhindert häufig spätere Komplikationen. Bei der rheumatoiden Arthritis verhindert eine rasche Diagnose und Behandlung spätere Invalidisierungen. Eine Evidenz basierte Medizin behandelt Risiko gerecht, bei einer Osteoporose auch nur, wer wirklich Fraktur gefährdet ist. Zudem können mit klaren Diagnosen unnötige Abklärungen und Therapien vermieden werden. Es geht somit einerseits darum, den Patienten bestmöglichst zu behandeln, diesen andererseits vor unnötigen Abklärungen und Eingriffen zu bewahren.

 

     
 

Ursachen Rheumatischer Erkrankungen
Abnützungen
Entzündungen
Stoffwechselkrankheiten
Infektionen

 
     


Wann besteht Handlungsbedarf?

Ein gesundes Gelenk ist nicht geschwollen. Ein Rückenschmerz bei einer jungen Person und ein vor allem akut verstärkter Schmerz im Alter sind abklärungsbedürftig. Fieber, Schwitzen und ein Gewichtsverlust sind immer verdächtig auf ein infektiöses oder bösartiges Geschehen. Knochen- und vor allem auch Wirbelbrüche finden sich nicht nur bei Osteoporose sondern auch bei Metastasen. Abklärungsbedürftig sind daher ein erstmals geschwollenes Gelenk, Muskelschwächen und Lähmungen sowie heftige mit oder ohne Trauma aufgetretene Schmerzen und Schmerzen in Ruhe, vor allem wenn sie mit Allgemeinsymptomen einhergehen.

 

     
 

Nicht zu verpassen
Brüche (Überlastung, Osteoporose)
Infektionen
Tumoren 

 
     


Wenn der Schmerz chronisch wird?

Anhaltender Schmerz ermüdet, zermürbt und stört den Schlaf. Das gilt gleichsam für Muskel- und Rückenschmerzen. Starke und anhaltende, vor
  allem ungenügend therapierte Schmerzen neigen zur Chronifizierung. Prognostisch ungünstig sind ein schlechter Gesundheitszustand, pessimistische Haltung, Probleme in der Familie und am Arbeitsplatz, vor allem verbunden mit Arbeitsunfähigkeit oder Stellenverlust. Das sind häufig sehr komplizierte therapeutische Probleme, die auch der Rheumatologe nur in Zusammenhang mit anderen Fachdisziplinen lösen kann. Umso wichtiger ist, dass der Betroffene rasch möglichst kompetente Hilfe sucht. Je stärker die Chronifizierung
fortgeschritten und je schlechter der Gesundheitszustand ist, desto schlechter wird auch die Prognose.

 

     
 

Informationen im Internet
www.rheuma-schweiz.ch
www.rheumaliga.ch
www.rheuma-online.de

 
     

 

Zum Autor

Dr. med. Werner Fuchs ist Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie FMH. Zusammen mit dem Physiotherapeuten HF Harald Lensler betreibt er das Rheuma-Therapie-Zentrum-Meilen. Schwergewichtig behandeln sie Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis (Schmerzhafte Störungen von Rücken, Muskeln und Gelenken) sowie Zustände nach Gelenk- und Wirbelsäulenoperationen, aber auch neurologische Probleme mit Lähmungen. Dr. Fuchs ist Mitglied der Vereinigung Hausärzte am Pfannenstiel HAP (weitere Infos unter www.hapmed.ch).

 


 

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