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Stein im Mund - Speichelsteine als unliebsame Störefriede bei der Speichelsekretion

von: Dr. med. Daniel Rusterholz, Meilen

 

Wem ist noch nie beim Gedanken an das letzte Weihnachtsessen oder Grossmutters Sonntagsbraten das Wasser im Munde zusammen gelaufen? Wer kennt als Kind nicht die obligate Frage des Metzgers am Ende der Bestellung: "Wotsch no äs Würschtli…?" Nicht nur die Frage, sondern ebenso der Anblick und natürlich der Gedanke an etwas Appetitliches erhöht den bekannten Speichelfluss im Munde. Doch warum läuft das so ab, und welche Mechanismen sind dafür verantwortlich? Eine Reihe verschiedener Reize aktivieren über zentrale Mechanismen im Hirn das sogenannt vegetative Nervensystem, das über autonome Mechanismen, das heisst nicht willentlich, die Speicheldrüsen am Hals und im Mund-/Rachenraum aktivieren. Diese Speicheldrüsen produzieren den erwähnten Speichel, der über Ausführungsgänge an die Mundschleimhaut abgegeben wird.

 

Wichtiges Lebenselixier

Man unterscheidet grosse von kleinen Speicheldrüsen. Es gibt auf jeder Halsseite bzw. der Zunge drei grosse, tastbare Speicheldrüsen (Ohr-, Unterkiefer- und Unterzungen-Speicheldrüse). Etwa 300 kleine Speicheldrüsen verteilen sich über die ganze Mundschleimhaut und sind im gesunden Stadium von Auge nicht identifizierbar. Speichelsteine können sich bei ihnen nicht bilden, sodass an dieser Stelle nicht weiter auf sie eingegangen wird. Hingegen sind einige Informationen über den Speichel, seine Zusammensetzung und die Speicheldrüsen im Allgemeinen interessant:

 

Die Speicheldrüsen gehören zum Verdauungssystem. Täglich wird 500-900 ml Speichel produziert. Die Ohrspeicheldrüse, die übrigens bei der Kinderkrankheit "Mumps" meistens betroffen ist, liefert wichtige Verdauungsenzyme. Die übrigen Drüsen,  inklusive der kleinen Speicheldrüsen, sind für den teilweise viskösen Charakter des Speichels verantwortlich. Hauptaufgaben des Speichels sind die mechanische Spülung mit Reinigung von Mundschleimhaut und  Zähnen, Verhinderung von Infektionen, Hilfe beim Schlucken und bei der Sprachbildung. Ausserdem helfen die Enzyme bei der Aufspaltung der Kohlenhydrate zu Glukose. Zuletzt werden Geschmacksstoffe in der Nahrung den Geschmacksknospen der Schleimhaut und der Zunge zugeführt.

 

 

Abb. 1: Ein riesiger Speichelstein von der Unterkiefer-Speicheldrüse

 

 

 

 

 

 

 

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Mehr trinken?

Was passiert nun, wenn dieser Prozess gestört oder verändert wird? Welche Faktoren spielen bei diesen Störungen mit, bzw. warum kommt es schliesslich zu Speichelsteinen?
Ich mache bei den betroffenen Patienten immer den Vergleich mit den besser bekannten Gallen- oder Nierensteinen, wo das Organ selber bzw. das abführende Gangsystem (Gallengang in den Dünndarm, Harnleiter in die Harnblase) ebenfalls betroffen ist. Eher zufällig sind betroffene PatientInnen nicht die besten (alkoholfreien!) Trinker. Aufgrund der anatomischen Verhältnisse und der Tatsache, dass über drei Viertel der Speichelsteine bei der Unterzungenspeicheldrüse auftreten, ist dort die Ursache zu suchen: Der Ausführungsgang der Drüse steigt abwärts und macht nach der Hälfte des Weges einen aufsteigenden Schenkel Richtung Austrittsort unterhalb der vorderen Zunge. In diesem Tiefpunkt bilden sich durch eine Verlangsamung des Speichelflusses wahrscheinlich Bestandteile, die zusammen mit einer Verschiebung des pH-Wertes zu Kalziumphosphatkristallen und dann zu kleinen und grösseren Steinen führen. Diese verstopfen den knapp millimetergrossen Durchmesser des Ganges und führen zu einer Anschwellung der Drüse.

 

Mühsame Beschwerden ums Essen

Die Patienten beklagen eine einseitige Halsschwellung, ein Druckgefühl bzw. Schmerzen, meist vor oder mit dem Essen. Wird die Nahrungsaufnahme abgeschlossen, können sich die Beschwerden rasch zurückbilden. Geschieht dieser Vorgang regelmässig bzw. chronisch, dann kommt es zum Rückstau in den Drüsenkörper. Speichelsteine bilden sich immer wieder, stauen zurück und bilden neue Speichelsteine. Ich rede dann von einem "Steinbruch" in der Drüse, um den Patienten diesen Prozess der Steinansammlung anschaulich zu machen.

 

 

Abb. 2: Ultraschallbild eines verdächtigen Speichelsteins in der Unterkiefer-Speicheldrüse

 

 

 

 

 

 

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Säurereiches Trinken hilft…

Im akuten Stadium einer steinbedingten Schwellung helfen meist abschwellende Massnahmen (Schmerzmittel, viel Trinken). Insbesondere säurereiche Anteile (Grapefruit- / Zitronensaft, Zitronenlimonade, saure Bonbons) stimulieren die Speicheldrüse. Zusätzliches Ausmassieren von aussen gegen den Ausführungsgang verstärkt den Speichelabfluss und bewirkt ein Abschwellen der Drüse oder Austritt des hartnäckigen Steins. Kommt es neben Schwellung zu einer örtlichen Rötung und einem ausserordentlichen Schmerz, stellt der Arzt die Diagnose einer eitrig-bakteriellen Speicheldrüsenentzündung mit Einsatz eines Antibiotikums. Bei langwierigem Heilungsverlauf ist eine ORL-fachärztliche Untersuchung bzw. Abklärung notwendig.

 

Ultraschallabklärung als Goldstandard

Tritt eine Schwellung im Rahmen eines Speicheldrüsenproblems bzw. Speichelsteins auf, steht die klinische Untersuchung im Vordergrund. Ein steckengebliebener Stein kann als Verhärtung getastet werden. Als wichtigstes bildgebendes Verfahren wird der Ultraschall eingesetzt. Tritt der Stein unmittelbar vor den Ausgang an der Mundschleimhaut und bleibt dann stecken, muss mittels chirurgischer Gangschlitzung in lokaler Anästhesie der Austritt ermöglicht werden. Sitzt er tiefer im Ausführungsgang fest, kann er mit feinsten Endoskopien/Sonden entfernt werden (Sialendoskopie). Vergleichbar mit der Behandlung belastender Nierensteine wird bei Steinen der Ohrspeicheldrüse, seltener bei der Unterkieferspeicheldrüse, die Stosswellenlithotripsie (ESWL) angewendet. Mit hochfrequenten Wellen wird eine Erschütterung bewirkt, der Stein in kleinere Partikel "geschüttelt", sodass diese mit dem produzierten Speichel abfliessen können. Bei Erfolg kann damit eine chirurgische Entfernung der Drüse verhindert werden. Zum Schluss bleibt bei sehr hartnäckigen Fällen mit bleibender Drüsenschwellung und Schmerzen nur die totale chirurgische Entfernung der betroffenen Drüse.

 

 

Abb. 3: eingeführte Sonde im Ausführungsgang der Unterkiefer-Speicheldrüse

 

 

 

 

 

 

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Meist ungefährliches Leiden

Zusammenfassend ist das Krankheitsbild des Speichelsteins kein bedrohliches Leiden, ist aber für den betroffenen Patienten unangenehm. Männer wie Frauen sind gleichermassen betroffen, altersunabhängig. Meist stehen anatomische Verhältnisse bei der Krankheitsentstehung im Vordergrund. Gewisse Faktoren spielen dabei mit, z.B. eine geringe tägliche Trinkmenge, trockene Schleimhäute bei älteren Menschen bzw. bei psychiatrisch behandelten Patienten im Rahmen von medikamentösen Nebenwirkungen. Davon betroffene Menschen sollten viel Säurereiches trinken, abschwellend und evtl. antibiotisch behandelt werden. Der Ultraschall ist die wichtigste diagnostische Untersuchung, die vollständige Entfernung der einzelnen Drüse nur im Ausnahmefall nötig. Bleibt zu hoffen, dass ihnen bei den Ausführungen zum Speichelstein nicht die Spuke weg bleibt. Denn was gibt es Schöneres, als die Vorfreude auf den nächsten leckeren Sonntagsbraten.

 

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